Raketenmodellbau.org Portal > Forum > Rund um den Raketenmodellbau > Scale-Modellraketen > 1:2-Modell der Goddard-Rakete


Autor Thema 
Oliver Arend

Administrator


Administrator

Oliver Arend

Registriert seit: Aug 2000

Wohnort: Great Falls, VA, USA

Verein: RMV/Solaris/AGM/TRA L1/TCV/MDRA/NOVAAR

Beiträge: 8410

Status: Offline

Beitrag 7661311 , 1:2-Modell der Goddard-Rakete [Neuer Beitrag27. März 2026 um 14:04]

[Melden] Profil von Oliver Arend anzeigen    Oliver Arend eine private Nachricht schicken   Oliver Arend besitzt keine Homepage    Mehr Beiträge von Oliver Arend finden

Völlig überraschend ist mir Anfang März wieder eingefallen, dass am 16. März ja der 100. Jahrestag des ersten bekannten Flugs einer Rakete mit Flüssigtreibstoff anstand. Das musste natürlich entsprechend gewürdigt werden. NOVAAR hatte hier für den 21. März einen Flugtag geplant, der mir noch ein paar Tage extra zum Fertigbauen gab.

Ausgangspunkt waren die wenigen Fotos die es von der Rakete gibt und eine Zeichnung von Pete Alway aus "Retro Rockets" (welches ich leider noch nicht besitze), die man unter https://archive.org/details/SPD-SLRSY-2229 finden kann. Wenn man sich die Abmessungen so anschaut ist Maßstab 1:2 naheliegend. Die notwendigen Rohrdurchmesser sind dann 1 in (25 mm), 2 in (50 mm) und 2,75 in (~70 mm). BT-50 ist ja gängig, von 50-mm-Klima-Rohr hatte ich auch noch ein gutes Stück, und die Dampfsperre vom Neubau gegenüber vor ein paar Jahren kam auf 70-mm-Rohren. Für die Rohrverbindungen habe ich ein wenig überlegt (Kunststoff wie beim Estes-Bausatz? Kohlefaser?) und mich dann für Holzstäbe entschieden, die es hier in verschiedenen zöllischen Durchmessern gibt. Statt 7/32", 1/8" und 1/4" habe ich die Durchmesser etwas größer gewählt und für die im Original unverkleideten Metallrohre 1/4" (~6,5 mm) und für die asbestverkleideten 5/16" (~8 mm) genommen.

Ich habe alle Massen grob hochgerechnet und bin bei rund 400 g gelandet. Mit 24 mm Motordurchmesser hatte ich dann ein paar gute Kandidaten im E- und F-Bereich. Wenn mein Händler keine E30T-4 Single Use bereit hätte, könnte ich zur Not immernoch auf einem E28T- oder F39T-Reload fliegen.

Dieser Haufen Rohre und Holzrundstäbe war also die Ausgangslage.


Die Rohre zurechtgeschnitten, aus einem Stück des großen Rohres einen Kuppler hergestellt und die ersten 3D-Druck-Teile fertig. Der untere Teil, im Original sind das Benzin- und Sauerstoff-Tanks, lässt sich schon erkennen.

Der Querstab links wird später unter dem Strahlabweiser verschwinden und dient außerdem zum Einhängen des Schockbands. Fallschirm und Schockband werden im Kuppler und dem mittelgroßen Rohr untergebracht.

Ich habe diesen Teil nicht besonders originalgetreu nachgebildet, da ich den Motor unten einsetzen wollte und die genaue Verbindung zwischen den einzelnen Tanks auf Fotos und Zeichnungen etwas unklar war. Laut Patent ist da auch irgendwo ein Alkoholbrenner zur Druckerzeugung in den Tanks - den brauchte ich ja definitiv nicht.
Die Verbindungsstücke für die Holzstäbe sind mit 100% Infill 3D-gedruckt, mit 30°-kegelförmigen Aussparungen. So konnte ich die Holzstäbe einfach mit einem Anspitzer für die Verklebung vorbereiten und ich konnte mich leicht an die notwendige Länge herantasten. Den Übergang zwischen Kunststoff und Holz habe ich mit Holzspachtel geglättet.

Oliver Arend

Administrator


Administrator

Oliver Arend

Registriert seit: Aug 2000

Wohnort: Great Falls, VA, USA

Verein: RMV/Solaris/AGM/TRA L1/TCV/MDRA/NOVAAR

Beiträge: 8410

Status: Offline

Beitrag 7661312 [Neuer Beitrag27. März 2026 um 14:09]

[Melden] Profil von Oliver Arend anzeigen    Oliver Arend eine private Nachricht schicken   Oliver Arend besitzt keine Homepage    Mehr Beiträge von Oliver Arend finden

Hier ein paar Ansichten vom Zusammenbau und einmal fertig zum Lackieren. Gesamtlänge liegt bei etwa 1550 mm. Verklebt habe ich die meisten Teile mit Sekundenkleber, die Holz/Holz- oder Holz/Papier-Verbindungen mit Holzleim.




Geändert von Oliver Arend am 27. März 2026 um 14:10

Oliver Arend

Administrator


Administrator

Oliver Arend

Registriert seit: Aug 2000

Wohnort: Great Falls, VA, USA

Verein: RMV/Solaris/AGM/TRA L1/TCV/MDRA/NOVAAR

Beiträge: 8410

Status: Offline

Beitrag 7661314 [Neuer Beitrag27. März 2026 um 14:13]

[Melden] Profil von Oliver Arend anzeigen    Oliver Arend eine private Nachricht schicken   Oliver Arend besitzt keine Homepage    Mehr Beiträge von Oliver Arend finden

Ich hatte keine Zeit und keine Nerven, die 3D-Druck-Teile zu verspachteln, und als "10-foot rocket" sieht man aus 10 Fuß Entfernung die Oberflächenqualität sowieso nicht mehr ;-)

Laut Pete Alway und Fotos sind die Teile der Rakete entweder aus mattem Metall ("dull silver") oder mit Asbest verkleidet ("light gray"), und der LOX-Tank ist aus poliertem Metall. Das "light gray" ist bei mir etwas dunkler ausgefallen, hatte eben diesen Grauton zur Hand. Die Metallteile wurden mit "Aluminium" lackiert und der LOX-Tank mit Aluklebeband verkleidet.


Oliver Arend

Administrator


Administrator

Oliver Arend

Registriert seit: Aug 2000

Wohnort: Great Falls, VA, USA

Verein: RMV/Solaris/AGM/TRA L1/TCV/MDRA/NOVAAR

Beiträge: 8410

Status: Offline

Beitrag 7661316 [Neuer Beitrag27. März 2026 um 15:36]

[Melden] Profil von Oliver Arend anzeigen    Oliver Arend eine private Nachricht schicken   Oliver Arend besitzt keine Homepage    Mehr Beiträge von Oliver Arend finden

Um richtig fliegen zu können braucht die Rakete natürlich noch Rail Guides und Flossen. Ich habe verschiedene Simulationen mit OpenRocket durchgeführt, um die konservativste Druckpunktlage zu finden. Die Strömung könnte z. B. nach dem Strahlabweiser und den abgestuften Rohren nicht am hintersten Rohr anliegen, in der Simulation habe ich also ein Rohr mit dem Durchmesser des Strahlabweisers bis zu den Flossen weitergeführt und nur den überstehenden Teil der Flossen simuliert. Auch damit hat die Rakete noch eine Stabilität von ca. 11%, das sollte auf jeden Fall reichen.


Die Flossen sind aus 2 mm Acryl gelasert und mit 5-min-Epoxy angeklebt.

Es stellte sich dann auf dem Flugtag heraus, dass 5-min-Epoxy nicht besonders gut auf dem Lack haftet. Glücklicherweise hatte jemand Sekundenkleber dabei und ich ein Stück Sandpapier.

Das Leergewicht lag am Ende bei nur etwa 300 g, so dass die Rakete mit einem Estes D12-3 auf ca. 75 m fliegen sollte.
Oliver Arend

Administrator


Administrator

Oliver Arend

Registriert seit: Aug 2000

Wohnort: Great Falls, VA, USA

Verein: RMV/Solaris/AGM/TRA L1/TCV/MDRA/NOVAAR

Beiträge: 8410

Status: Offline

Beitrag 7661317 [Neuer Beitrag27. März 2026 um 15:45]

[Melden] Profil von Oliver Arend anzeigen    Oliver Arend eine private Nachricht schicken   Oliver Arend besitzt keine Homepage    Mehr Beiträge von Oliver Arend finden

Zur Feier des Tages habe ich auch versucht, das bekannte Foto mit Goddard und seiner Rakete im Startturm nachzustellen. Startturm, Hose und Schuhe sind nicht ganz scale ;-)


Die Rakete kam gut aus der Rail und flog mehr oder weniger gerade nach oben.



Fallschirm kam zum richtigen Zeitpunkt.


Nach der Landung war die Verklebung der Holzstäbe am oberen Ende gebrochen, und eine Flosse ist verschollen. Theoretisch könnte ich sie wieder fliegen, vielleicht dieses Mal auf einem E-Motor, aber jetzt hängt sie bei mir überm Schreibtisch an der Wand.

Oliver
paulumbo

Epoxy-Meister

paulumbo

Registriert seit: Feb 2009

Wohnort: Essen

Verein: AGM, TRA 12497 L2

Beiträge: 210

Status: Offline

Beitrag 7661318 , Applaus, Applaus!!! [Neuer Beitrag27. März 2026 um 20:59]

[Melden] Profil von paulumbo anzeigen    paulumbo eine private Nachricht schicken   paulumbo besitzt keine Homepage    Mehr Beiträge von paulumbo finden

Super, sieht toll aus (auch du!). Klasse gemacht!
[Zurück zum Anfang]
Du kannst keine neue Antwort schreiben